USA: Ein sich stetig verschlechternder Ausblick

USA: Ein sich stetig verschlechternder Ausblick

Paul Craig Roberts

Die dritte und letzte Schätzung zum realen BIP-Wachstums im 1. Quartal 2014, die am 25. Juni durch das U.S. Bureau of Economic Analysis veröffentlicht wurde, hatte eine Schrumpfung des US-BIPs von 2,9% zur Folge - ein Unterschied von 5,5 Prozentpunkten im Vergleich mit der Januarschätzung, die ein Wachstum von 2,6% vorsah. Ganz offensichtlich wurde diese herbe Wirtschaftsschrumpfung im 1. Quartal jedoch von den Aktienspekulanten ignoriert, indem diese Entwicklung gänzlich auf das schlechte Wetter geschoben wurde. Die Aktienmärkte wuchsen im Angesicht dieser schlechten Meldung fast über sich hinaus.

Doch Aktionäre könnten im 2. Quartal vielleicht eine Überraschung erleben. Ergebnis einer über Jahre vorgenommenen Anpassung am offiziellen Inflationsmaßstab ist eine substanziell viel zu niedrig ausgewiesene Inflationsrate.

Der heutige Inflationsmaßstab von 1,26%, der genutzt wird, um das nominale BIP im 1. Quartal zu deflationieren ist höchst surreal, wie allen Amerikanern, die ihre Einkäufe tätigen, klar sein dürfte. Eine vernünftige Korrektur des unterbewerteten Deflators würde eine noch stärkere Schrumpfung des BIPs im 1. Quartal nach sich ziehen. Die beiden Hauptgründe für eine nicht der Realität entsprechende Inflationsberechnung der Regierung liegen in den so genannten Substitutionsprinzipien, die während der Amtsjahre der Clinton-Administration eingeführt wurden.

Des Weiteren resultieren die aktuellen Inflationsdaten aus hedonischen Anpassungen, die bereits seit den 1980iger

Jahren vorgenommen werden. Auf diese Weise werden Preissteigerungen als Qualitätsverbesserungen bewertet. Würden die überflüssigen hedonischen Anpassungen korrigiert, würde sich daraus eine Schrumpfung des realen US-BIPs um gut 5% ableiten. Würde man sowohl die hedonischen als auch die Substitutionsanpassungen korrigieren, wäre das reale US-BIP im 1. Quartal um gut und gerne 8,5% geschrumpft.

Eine realistische Wirtschaftsanalyse entspricht heutzutage einer Rarität. Die Finanzpresse verkündet nur das, was die Wall Street vorgibt. Und die Ökonomen an der Wall Street werden dafür bezahlt, um den Verkauf von Finanzinstrumenten in Schwung zu halten. Düstere Analysen werden mit einem schrägen Blick bedacht. Selbst Quartalsschrumpfungen der Wirtschaft werden mit einem positiven Drall versehen. Doch eine jahrelange Unterbewertung der Inflation resultiert gleichsam in einer jahrelangen Überbewertung des realen BIP- Wachstums.

Wenn man bedenkt, über wie viele Jahre die Daten falsch berechnet und ausgewiesen wurden, wird ersichtlich, wie die typischen Berechnungen zum Verhältnis von nominaler Verschuldung zum BIP auf extreme Weise in die Irre führen. Bedenken Sie, dass Schulden auf nominaler Basis emittiert und zurückbezahlt werden (mit Ausnahme von wenigen US-Staatsanleihen, deren Kurse an die Inflationsentwicklung angepasst sind). Nichtsdestotrotz wird die ökonomische Stärke eines Landes durch die Ausweisung von nominalem Wohlstand oder eines BIPs auf nominaler Basis überdimensioniert.

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Die Schulden wachsen, doch sowohl nominale als auch reale Werte der Güterproduktion und des Dienstleistungssektors können nicht mit dem Anstieg dieser Verschuldung Schritt halten. Um zu verstehen, mit welch immensen Risiken dieses Schuldenwachstum verbunden ist, empfiehlt es sich, die nominale Verschuldung mit der realen BIP-Entwicklung zu vergleichen. Spinmasters könnten versucht sein, derartige Berechnungen als einen Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen weit von sich zu weisen, doch eine derartige Sichtweise basiert auf nichts anderem als einer Verleugnung, dass das Verhältnis zwischen nominalen Schulden und nominalem BIP die zu beobachtende Wohlstandsverwässerung noch stark untertreibt - bedingt durch die Fähigkeit der Regierung, Schulden sowohl auf nominaler US-Dollarbasis zu emittieren als auch zurückzuzahlen.. Wir wissen, dass Inflation die Schuldner bevorteilt, weil diese Schulden auf Basis von inflationierten US-Dollars zurückbezahlt werden können.

Das unten abgebildete Diagramm weist drei voneinander abweichende BIP-Verhältnisse aus. Die untere Linie reflektiert drei verschiedene Verschuldungsquoten. Diese Linie zeigt das Verhältnis zwischen nominaler Verschuldung in Relation zum nominalen BIP - eben jenem Verhältnis, dem sich die gängige Finanzpresse bedient. Die mittlere Linie reflektiert das Verhältnis zwischen nominaler Verschuldung zum offiziellen Maßstab der Berechnung des realen BIPs.

Die obere Linie reflektiert das Verhältnis zwischen nominalem BIP in Relation zu dem durch Shadowstats

korrigierten Maßstab zur Berechnung des realen BIPs, wodurch diesen Schätzungen zumindest wieder ein geringer Anteil der Inflation hinzufügt wird, die im offiziellen Maßstab schon lange nicht mehr beinhaltet ist. Die Basis für diesen korrigierten Maßstab bildet das Jahr 2000, doch da die BIP-Kennzahl aufgrund einer Revision für das Jahr 2000 niedriger ausfällt, beginnt das Verhältnis im folgenden Diagramm an einem etwas höheren Punkt.

bip kennzahl

Die Quote der nominalen Staatsverschuldung zeigt, dass die insgesamt ausstehenden US-Staatsanleiheschulden zum Ende des 1. Quartals 2014 bei 103% des US-BIPs liegen. Das Verhältnis zwischen Staatsanleiheschulden in Relation zum offiziell ausgewiesenen Real-BIP weist hingegen auf ein Verschuldungsniveau von 136% zum BIP hin. Das Verhältnis zwischen Staatsanleiheschulden in Relation zum realen BIP, das durch einen weitaus realistischer anmutenden Maßstab der Inflation deflationiert wurde - und einem Maßstab, der mit den täglichen Erfahrungen der Verbraucher Schritt hält - würde die öffentliche US-Verschuldung sogar auf 185% in Relation zum BIP hieven.

Mit anderen Worten sei gesagt, dass die Belastung der Realwirtschaft durch die US-Staatsverschuldung beinahe zweimal so hoch ist als gängigerweise angenommen und offiziell ausgewiesen. Die durch Shadowstats vorgenommenen Anpassungen zum realen BIP korrigieren jedoch immer noch nicht vollständig das, was wir als stetig zunehmende Untertreibung der Inflationsentwicklung seit den 1980iger Jahren bezeichnen. Die von uns vorgenommenen Anpassungen korrigieren den impliziten Preisdeflator aufgrund hedonischer Verzerrungen und unter Zugrundelegung einer 2%igen Untertreibung der jährlich anfallenden Inflation. Die reale BIP-Entwicklung sieht unter Berücksichtigung dieser Korrektur seit dem Jahr 2000 wie folgt aus:

usa ausblick

Wir haben die Verhältnisse der staatlichen US-Verschuldung in Relation zum nominalen BIP und zu zwei Maßstäben des realen BIPs berechnet. Diese daraus jeweils resultierenden Verhältnisse der ausstehenden Staatsverschuldung in Relation zum BIP wären weitaus höher, wenn wir die ausstehenden Gesamtkredite, die private und öffentliche Gesamtverschuldung wie auch die ungedeckten Finanzobligationen der Regierung zur Grundlage machen würden. Eine Tatsache scheint klar auf der Hand zu liegen, nämlich dass Schulden ein großes und sehr unbeliebtes Thema für die US-Wirtschaft sind. Diese enormen Schulden, insbesondere mit Blick auf eine Mittelklasse, deren Jobs in den letzten Jahrzehnten größtenteils nach Übersee ausgelagert wurden, deuten auf einen substanziell sinkenden Lebensstandard für 99% der Gesellschaft hin.

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Die Wirtschaftsschrumpfung im 1. Quartal - insbesondere unter der Prämisse unserer korrigierten Zahlen - impliziert ein negatives Real-BIP im 2. Quartal. Mit anderen Worten sei gesagt, dass das über die letzten Jahre und seit dem Abschwung 2008 durch die Federal Reserve praktizierte QE (elektronische Gelderzeugung) weder in eine wirtschaftliche Erholung mündete noch weiteren Wirtschaftsschrumpfungen vorgebeugt hat.

Eine massive Gelderzeugung und riesige staatliche Budgetdefizite haben die Bilanzen der "Too-big-to-fail" Banken vor einer Implosion geschützt, dabei jedoch der amerikanischen Bevölkerung geschadet. Renten- und Pensionsfonds wurden durch die Federal Reserve - die die Zinsen zum Wohle einiger überdimensionierter Banken auf Null oder gar in negatives Terrain absenkte - über Jahre ihrer Zinserträge beraubt.

Die horrende Erzeugung von neuen US-Dollars verwässerte den Dollarbesitz von Völkern, Unternehmen, Institutionen und Zentralbanken in der ganzen Welt und hat Ängste geschürt, dass der US-Dollar nicht nur an Tauschwert verlieren, sondern auch seine Rolle als Weltreservewährung einbüßen könnte. Washingtons nutzt die Verhängung von finanziellen Sanktionen, durch die andere Länder dazu gezwungen werden können, sich dessen Willen zu beugen. Länder werden auf diese Weise dazu gebracht, das US-Dollarsystem zu verlassen.

Ein hochrangiger Berater von Russland Präsident Wladimir Putin teilte mit, dass der US-Dollar zerschmettert

werden müsse, um weiteren Aggressionen aus den Vereinigten Staaten vorzubeugen. Gleichzeitig rufen die Chinesen zu einer De-Amerikanisierung der Welt auf. Der imperialistische U.S. Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA), der am 1. Juli 2015 in Kraft tritt, führt unter ausländischen Finanzinstituten zu derart hohen Berichtskosten, dass sich diese Institute vielleicht aus US-Dollartransaktionen zurückziehen werden.

Alles in allem könnte als Ergebnis ein ernsthafter Verfall des US-Dollaraußenwerts resultieren, gefolgt von noch mehr Wohlstandsschrumpfung, einer höheren Inflation der Importpreise sowie einem sich stetig reduzierenden und nicht verfügbaren US-Wohlstand, um die ausstehenden Schulden des Landes zu bedienen. Im Angesicht dieser Realität stellt sich die Frage, warum Washington seine Kiewer Marionette in einen Krieg mit Russland drängt?

Warum drängt Washington die NATO dazu, mehr Geld auszugeben, um weitere Militärbasen zu errichten, auf denen mehr Truppen im Baltikum und Osteuropa stationiert werden sollen, insbesondere unter der Prämisse, dass Washingtons Beitrag den größten Teil der anfallenden Kosten abdeckt? Warum tritt Washington abermals in den eskalierenden Konflikt im Nahen und Mittleren Osten ein, den es begann, indem es Sunniten und Schiiten gegeneinander aufhetzte?

Warum baut Washington neue Marine- und Luftwaffenstützpunkte von den Philippinen bis Vietnam, um China einzukreisen? Falls Washington sich seines begrenzten Budgets und seiner finanziellen Zwangslage derart wenig bewusst ist, kann es nicht mehr lange dauern, bis es uns in die wirtschaftliche Katastrophe steuert.