Krise in der Ukraine setzt sich fort

Krise in der Ukraine setzt sich fort

Paul Craig Roberts

Den gezielten Propagandaabsichten Washingtons dienend, ist sowohl das Ereignis um die abgeschossene malaysische Passagiermaschine als auch der angebliche Grenzübertritt eines russischen Militärkonvois, der angeblich auf ukrainischem Boden zerstört worden sein soll, in den Hintergrund der medialen Berichterstattung getreten, obwohl beide Geschichten bislang noch immer absolut ungeklärt bleiben.

Washingtons Kiewer Marionettenregierung hat bis dato noch immer nicht die Kommunikationsaufzeichnungen zwischen der ukrainischen Luftkontrollbehörde und den Piloten des malaysischen Passagierflugzeugs MH 17 veröffentlicht. Und Washington hat keinerlei Satellitenfotos zur Veröffentlichung frei gegeben - von einem Satelliten, der sich zur Tatzeit direkt oberhalb des Tatorts befunden hatte.

Unter Berücksichtigung dieses bewussten und gezielten Zurückhaltens von Beweisen lässt sich schlussfolgern, dass diese Beweise die Washingtoner und Kiewer Propaganda wohl nicht untermauern. Aus dem plötzlichen Desinteresse im Hinblick auf diese bislang ungeklärten Geschichten und dem Versagen der westlichen Medien, Washington und Kiew um Vorlage dieser Beweise zu ersuchen, die dort geheim und unter Verschluss gehalten werden, lässt sich darüber hinaus schlussfolgern, dass das Gros der westlichen Medien weiterhin seine Rolle als Propagandaministerium zu spielen scheint.

Um es mit anderen Worten zu sagen, verteidigen sowohl Washington als auch dessen willfährige Medienbetreiber

eine Lüge, die durch Washington und dessen Medienvasallen erfolgreich in die Welt hinausposaunt wurde. Und eben jene Propaganda ist zur Basis für eine Verschärfung der Sanktionen geworden, die den Konflikt mit Russland eskalieren lässt. Washington hätte wahrscheinlich schon kaum mehr deutlicher machen können, dass es die Absicht verfolgt, die internationale Lage - anstatt Anstrengungen zu einer Entschärfung zu unternehmen - weiter zu eskalieren. Eines Konfliktes, der in Washington orchestriert wird.

Ebenso verhält es sich mit Blick auf den angeblichen russischen Militärkonvoi, der auf ukrainischem Boden zerstört worden sein soll. Die russische Regierung hat diese Geschichte ins Reich der Fantasie verwiesen - was ganz offensichtlich auch so sein wird -, doch nichtsdestotrotz sorgen Washington und dessen Medienschoßhündchen dafür, dass diese Mediengeschichte unterschwellig fortbesteht.

Da Englisch die Weltsprache ist und ein großer Teil der europäischen Presse Tendenzen dazu erkennen lässt, sich der Führung der amerikanischen Medienhetze unterzuordnen, erweckt es den Eindruck, als ob sich Russland (wie auch China) Nachteilen im globalen Propagandakrieg ausgesetzt sehen. Weder Russisch noch Chinesisch gehören zu den Weltsprachen. Und in der Tat sind diese beiden Sprachen für Ausländer nur sehr schwer zu erlernen und deshalb auch wenig bekannt außerhalb ihrer beiden Staatsgrenzen. Die westlichen Medien unterwerfen sich Washingtons Führung - nicht derjenigen Moskaus oder Pekings.

Da Fakten nicht relevant sind für das Ergebnis, befinden sich sowohl Moskau als auch Peking im Propagandakrieg auf der Verliererstraße. Dasselbe gilt für die Diplomatie. Washington scheißt im wahrsten Sinne des Wortes auf Diplomatie. Das "außergewöhnliche" und "unentbehrliche" Land bedient sich der Korrumption und Bestechung, spricht Drohungen aus und setzt auf Zwang und Pression. Die diplomatischen Anstrengungen der russischen Regierung werden im Sande verlaufen. Ganz wie sich Russlands Präsident Putin beklagte, dass "Washington nicht bereit ist zuzuhören und der Westen uns nicht anhört."

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Die russische Regierung unternimmt weiterhin den Versuch, mit der Lage in der Ukraine auf diplomatischem Wege zurecht zu kommen. Diese Herangehensweise erweist sich als sehr kostspielig für die Bewohner der ehemaligen russischen Territorien in der Ost- und Südukraine. Denn diese Menschen werden aus der Luft angegriffen und getötet. Dazu sorgt schwerer Artilleriebeschuss gegen deren Häuser und die Infrastruktur überall für Vernichtung und Zerstörung.

Eine große Anzahl dieser Einwohner hat ihre angestammte Heimat nach den fortwährenden Angriffen der ukrainischen Armee bereits verlassen. Diese Einwohner sind zu Flüchtlingen geworden, die sich größtenteils über die ukrainisch-russische Grenze retten. Die westlichen Medien berichten nur selten über die Form der Gewalt, die Washingtons Kiewer Marionettenregierung gegenüber diesen Menschen und Zivilisten anwendet. Die westlichen Medien sprechen allein Washingtons Sprache: "Es ist alles nur Russlands Schuld."

Die Krise hätte vermieden werden können, wenn die russische Regierung das Ersuchen der ukrainischen Provinzen um eine Wiedervereinigung mit Russland akzeptiert hätte, so wie es im Fall der Halbinsel Krim geschah. Wie dem auch sei, die russische Regierung entschied sich dazu, jedwede Entscheidung zu vermeiden, die Washington als "Invasion und Annexion" hätte interpretieren können, davon ausgehend, dass Europa das Handeln Russlands nicht als provozierend, sondern als rückversichernd auslegen und sich dem Druck Washingtons entziehen würde, sich in einen Konflikt mit Russland hineindrängen zu lassen.

Aus meinem Blickwinkel überschätzte die russische Regierung die Macht der Diplomatie im Westen. Washington

ist daran interessiert, die Krise anzufachen, anstatt sie zu entschärfen.

In den 23 Jahren seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind die meisten Russen der Ansicht gewesen, dass Washington - und nicht die sowjetische Regierung - diejenige Partei gewesen sei, der es in Zeiten des Kalten Krieges zu trauen galt. Was die russische Regierung jüngst lernte, ist, dass Washington nicht vertraut werden kann, und dass das Misstrauen der ehemaligen Regierung der Sowjetunion gegenüber dem Westen gerechtfertigt war.

Kiews militärischer Überfall in der Ost- und Südukraine wird nicht enden, weil die Europäer diesen Aktionen nicht widersprechen werden. Die Europäer standen Washington nicht nur 13 Jahre lang zur Seite, als es darum ging, Zivilisten in Afghanistan, dem Irak, Lybien, Somalia, Pakistan und dem Jemen zu bombardieren. Sondern die Europäer standen Washington jüngst auch zur Seite, als es darum ging, ausländische Kräfte im syrischen Bürgerkrieg zu bewaffnen und zu unterstützen, um die Staatsregierung des Landes zu stürzen. Im Hinblick auf die meisten dieser militärischen Angriffe beteiligten sich die Europäer gar.

Zur selben Zeit wird der Versuch unternommen, den Iran mehr und mehr zu isolieren, um das Land irgendwann militärisch anzugreifen. Europa hielt Washington die Fahnenstange, während Israel die Palästinenser unzählige Male massakrierte. Sollte Russland auf das moralische Gewissen Europas setzen, wäre dies genau so, als ob jemand auf etwas setzen würde, das es in der Realität nicht gibt.

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Das anhaltende Abschlachten und die Vernichtung der russisch-stämmigen Bevölkerung im Osten und Süden der Ukraine wird die russische Bevölkerung letztendlich demoralisieren und dazu führen, die aktuell guten Umfrageergebnisse mit Blick auf Putins Regierung sinken zu lassen, weil diese nicht dazu imstande ist, diese Entwicklung zu stoppen. Die Akzeptanz dieses Abschlachtens durch die russische Regierung lässt Russland schwach erscheinen, was nur zu einer weiteren Eskalation der Aggression gegen Russland einlädt.

Falls die russische Regierung beabsichtigen sollte, ihre Probleme in der Ukraine zu lösen und Washingtons Fähigkeit zuvorzukommen, die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen Russlands mit Europa durch eine weitere Sanktionsverschärfung zu unterminieren, wird die russische Regierung sich machtvolleren Maßnahmen bedienen müssen.

In der Ukraine bleiben Russland zwei alternative Maßnahmen. Die erste Alternative lautet, anzukündigen, dass das anhaltende Abschlachten und die Unverantwortlichkeit Kiews und dessen westlichen Unterstützern - entgegen den russischen Bemühungen, das Morden durch eine diplomatische Lösung der Krise zu beenden - in Russland dazu geführt haben, das Ersuchen derjenigen ukrainischen Provinzen, die jüngst ein Ersuchen um Wiedervereinigung mit Russland gestellt hatten, neu zu überdenken, und dass jedwede weitere Attacken auf diese Territorien als Angriff auf Russland bewertet und durch eine machtvolle, militärische Antwort geahndet werden.

Die andere Alternative wäre, dass Putin sich mit der Washingtoner Marionette (Poroschenko) privat trifft und dem

korrupten Oligarchen deutlich macht, dass genug, genug ist, und dass - falls die Angriffe anhalten sollten - Russland das Ersuchen zugunsten einer Wiedervereinigung positiv beantworten wird. Putin würde Washingtons Marionette auf diese Weise beibringen, dass - falls er die Kontrolle über früheres russisches Territorium als Teil der Ukraine behalten wolle - dazu beitragen muss, zufriedenstellende Vereinbarungen mit diesen Provinzen auszuarbeiten.

Um es mit anderen Worten zu sagen, würde Putin ein Ultimatum stellen. Ein Ultimatum, das sofortige Antworten auf die aktuelle Lage erfordern würde, so dass die Kiewer Marionette nicht nach Washington rennen könnte und Washington nicht ausreichend Zeit verbleiben würde, um neue Propaganda zu lancieren.

Karl Marx betrachtete die Moralität als Grundprinzip der Interessen der einzelnen Klassen. Da jede einzelne Klasse ihre Prinzipien auf eine eigene Moral gründete, um ihre jeweiligen Interessen zu rechtfertigen, wurde dem Wohlwollen unter den Menschen der Boden unter den Füßen entzogen. Da Reformen eines solchen Systems unmöglich sind, avanciert die Gewalt zur einzig verbleibenden Methode, um Veränderungen anzustoßen. Washington folgt seiner ganz eigenen Version der marxistischen Doktrin.

Als "außergewöhnliches" und "unentbehrliches" Land, hat die Historie die Vereinigten Staaten auserwählt, um über die Interessen ausländischer Staaten zu obsiegen. Die Regeln der Diplomatie zu befolgen, macht Kompromisse unabdingbar. Aus diesem Grund setzt Washington - wie Marx - auf Gewalt zur Durchsetzung der eigenen Interessen.

Die russische Regierung kann nicht allein auf Diplomatie und einen gewissen Grad des Wohlwollens setzen, wenn der Westen sich zur Anwendung von Gewalt bekennt. Vielleicht könnte eine Lösung zu dieser Krise in Gesprächen zwischen Putin, der sich separat mit Merkel und Hollande treffen könnte, liegen, um zu erklären, dass Russland nicht ewig auf Lügen und Propaganda basierende Sanktionen über sich ergehen lassen kann, ohne demnächst entschlossenere Schritte als die bis dato verhängten Sanktionen Russlands gegen europäische Agrarprodukte zu unternehmen.

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Putin könnte deutlich machen, dass, falls Europa damit fortfährt, Washingtons Sturm auf Russland zu unterstützen, der Energiezustrom nach Europa minimiert oder gar gekappt wird.

Zusätzlich könnte Putin den europäischen Führern erklären, dass die Dynamiken der Washingtoner Kampagne mit Ziel einer Dämonisierung Russlands außer Kontrolle geraten und in einen Krieg münden könnten, der Europa von der Landkarte fegen würde. Putin könnte den Europäern klar machen, dass - im Falle einer Loslösung von Washingtons Außenpolitik bei gleichzeitiger Verfolgung einer Außenpolitik, die ihren eigenen Interessen anstatt denen Washingtons dient - die Europäer nichts anderes zu verlieren haben als ihre Ketten des Vasallentums.

Putin könnte den Europäern darüber hinaus erklären, dass Russland bereit ist, Europas Sicherheit zu garantieren - und sie aus diesem Grunde keine Garantie Washingtons benötigen, die gegen eine nicht existente Bedrohung aus Russland gerichtet ist. Falls dieser vernünftige und diplomatische Ansatz in Europa scheitern sollte, werden sowohl Russland als auch China wissen, dass sie sich auf Krieg vorbereiten müssen.