Putin - wird er realisieren, dass er das beste Blatt auf der Hand hält?

Putin - wird er realisieren, dass er das beste Blatt auf der Hand hält?

Paul Craig Roberts

Weitere Beweise - auf die ich demnächst noch ausführlicher eingehen möchte - türmen sich gerade auf, dass Europa sich dem Ansinnen Washingtons, einen Krieg gegen Russland zu beginnen, unterordnet. Ein Krieg, der für die gesamte Menschheit sehr wahrscheinlich der letzte sein wird. Indem Russland weiterhin tief stapelt und bislang wenig bedrohliche Signale im Hinblick auf die Aggressionen Washingtons aussendet, wird dem Westen das fälschlich interpretierte Signal ausgesendet, dass Russland schwach und ängstlich ist. Somit ermutigt Russlands Regierung Washington nur zusätzlich, diesen potenziellen Krieg zu befeuern.

Es macht den Eindruck, als ob die größte Schwäche Russlands darin liegen würde, dass der Kapitalismus einer ausreichenden Anzahl von Russen einen komfortablen Lebensstandard ermöglichte, und dass der Krieg, den Washington ins Auge gefasst hat, diese Menschen in Furcht versetzt, weshalb sie ihn zu vermeiden versuchen.

Vordergründiges Ziel dürfte sein, ein ähnliches Leben wie die dekadenten Westeuropäer zu führen. Dasselbe passierte im 6. Jahrhundert schon einmal den ehedem gefürchteten Vandalen in Nordafrika, als die Vandalen durch eine nur kleine Streitmacht des Oströmischen Imperiums vernichtend geschlagen wurden.

Die Vandalen hatten viel von dem Wagemut eingebüßt, der sie zuvor einen nicht unbeträchtlichen Teil des

Römischen Imperiums erobern ließ. Es liegt heute an Russland, die gesamte Welt vor einem großen Krieg zu bewahren, doch um einen solchen Krieg zu vermeiden, muss Russland den Europäern die daraus resultierenden Kosten klar und deutlich vor Augen führen.

Sich ökonomischen Sanktionen ausgesetzt sehend - im Wesentlichen nicht nur illegal, sondern nur eine andere Art der Kriegsführung -, die verschiedene russische Staatsbürger und Unternehmen treffen, und die durch Washington, Washingtons EU-Vasallen und durch die Schweiz verhängt wurden, einem Land, von dem eigentlich anzunehmen war, dass es vor Washington mehr Angst haben würde als vor Moskau.

Russlands Staatspräsident Putin hat die russische Regierung darum ersucht, nun Gegensanktionen als Antwort auf willkürlich gegen Russland verhängte Sanktionen zu verabschieden.

Doch Putin sagt, dass Russland sich zurückhalten muss: "Augenscheinlich müssen wir sehr vorsichtig vorgehen, um unsere heimischen Produzenten zu unterstützen und um unseren Konsumenten nicht zu schaden. Mit anderen Worten möchte Putin Gegensanktionen verabschieden, die sich nicht wirklich als Sanktionen bezeichnen lassen.

Vielmehr soll es sich so anfühlen, als würde ein Gegenschlag zugunsten eines Ausgleichs der Verhältnisse geführt. Mit Blick auf Russland, das eine zögerliche Haltung in Bezug auf eigens zu verhängende Sanktionen einnimmt, ist erstaunlich, dass Russland - und nicht Washington oder die impotente EU - das beste Blatt am Pokertisch auf der Hand hält.

cheshire_cat

Putin wäre es ein Leichtes, die europäischen Ökonomien in die Knie zu zwingen, und Europa in ein politisches und ökonomisches Chaos hineinzuschubsen, falls er die russischen Energielieferungen stoppen würde.

Putin müsste wohl nicht einmal anordnen, die Energielieferungen über einen langen Zeitraum auszusetzen, bevor Europa Washington "Good Bye" sagt, um sich mit Russland an einen Tisch zu setzen. Je länger Putin wartet, desto mehr Zeit räumt er Europa ein, um sich gegen einen möglichen Einsatz von Russlands empfindlichster Waffe vorzubereiten, die dazu genutzt werden könnte, den durch Washington orchestrierten Konflikt friedlich beizulegen.

Washingtons aggressive Maßnahmen gegen Russland werden nicht aufhören, solange Putin nicht realisiert, dass er - und nicht Washington - das beste Blatt auf der Hand hält, um seine Karten adäquat auszuspielen.

Die Welt hat genug von Washington, seinen kontinuierlichen Lügen, seinen andauernden Kriegen und seiner

Einschüchterung. Putin würde sich selbst einen Gefallen damit tun, einige Stunden seiner Zeit Belisarius, dem Obergeneral von Justinian dem Großen, zu widmen. "Wenn ich mit meinen Feinden verhandele", so sagte Belisarius, "bin ich es eher gewohnt, Rat zu erteilen anstatt Rat zu empfangen; in der einen Hand halte ich unausweichlichen Ruin und in der anderen halte ich Frieden und Freiheit."

Und dies ist exakt die Position, in der Wladimir Putin sich im Hinblick auf Europa befindet. In der einen Hand hält er den unausweichlichen Ruin Europas. Und in der anderen Hand hält er Frieden und Freiheit in Bezug auf die Beziehungen zwischen Russland und Europa.

Er wird es den willfährigen und schlichtweg dummen "Führern" Europas zurufen müssen, um es ihnen hernach auseinanderzusetzen. Falls Putin jetzt nicht mit aller Härte auftritt, um den Europäern zu verdeutlichen, was für sie auf dem Spiel steht, wird Washington mit der Verfolgung seines Ziels, die Welt in einen Krieg zu treiben, fortfahren. "Außergewöhnliche und unentbehrliche" Amerikaner werden dann ebenso wie die Fliegen sterben wie der gesamte Rest.