Kriegsziel jetzt schon erreicht

Kriegsziel jetzt schon erreicht

Willy Wimmer

Die Meldungen über die Lage in der Ostukraine überschlagen sich. Die Dämonisierung des russischen Präsidenten Putin hat das Stadium der Hysterie längst hinter sich gelassen. Dem seit Jahren zielgerichteten Verhalten des gesamten Westens, die Ukraine aus ihrer Rolle nach Ende des Kalten Krieges herauszureißen, entspricht die Medienwalze, die den ganzen Tag lang trommelt. Der Konflikt muss her und wenn er noch so sehr an Berthold Brecht und seinen kaukasischen Kreidekreis erinnert.

Nichts aus der Geschichte gelernt

Die Ukraine als das Balg, das notfalls zerrissen werden muss. Wer sich der Nazi-Kampfgruppen in der ukrainischen Nationalgarde bedient, um gegen russisch-sprachige Menschen in der Ostukraine vorzugehen, der hat nicht nur mit Blick auf die zeitliche Nähe des Jahrestags, an dem des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges gedacht wurde, nichts aus der Geschichte gelernt.

Es stimmt doch, dass die damalige Sowjetunion einen fürchterlichen Blutzoll nach dem Angriff Hitlers auf dieses Land und seine Bevölkerung hat zahlen müssen. Und jetzt rüstet der Westen die Nachfolger dieser Kräfte in jeder Beziehung auf, um diese Schreckensbilder wieder gegen Russen mit Leben zu erfüllen? Sind die westlichen Staats- und Regierungschefs derart von allen guten Geistern verlassen, dafür nicht das geringste Empfinden an den Tag zu legen?

Können wir im Westen unseres gemeinsamen Kontinents ruhig schlafen, wenn wir wissen, dass diese in die regulären ukrainischen Streitkräfte eingebetteten Nazi-Truppen wieder an der russischen Grenze stehen? Und hat bei uns jemand Verständnis für den NATO-Generalsekretär, der den Kreml dazu auffordert, seine Truppen von der russisch-ukrainischen Grenze abzuziehen? Jeder Staat, dessen Führung nicht von allen guten Geistern verlassen ist, würde seine Grenze hautnah schützen, wenn der Ungeist der Vergangenheit einen erneuten Vorstoß vorbereitet.

Willy Wimmer: "Nase voll von NATO-Lügen!"

  

  

Nazi-Schrecken: Babi Jar ist in der Ukraine jedermann in Erinnerung

In der Ukraine selbst, wo aus gutem Grund - und für alle verpflichtend - an die Schrecken von Babi Jar erinnert wird, schweigen selbst diejenigen zu dem Nazi-Treiben, bei denen man das nie im Leben erwartet haben würde. Seit wann sind diese Nazis in der Ukraine akzeptierte Weggefährten oder ist das nur so, weil es gegen Russland und die Russen geht?

Natürlich kann sich jeder in diesem Gewirr verfangen und es lenkt vom eigentlichen Geschehen vermutlich ab. Eines ist klar und deutlich: die USA haben über das, was sie laut der US-Staatssekretärin, Frau Nuland, seit Jahr und Tag und mit einem Finanzaufwand von 5 Milliarden US-Dollar angezettelt haben, ihr wesentliches Ziel erreicht: die Ukraine mag in kriegerischen Wirren versinken, das kümmert in Washington niemanden.

Durch eine Kampagne sondergleichen, auch unter Einschluss eines Flugzeugunglücks, das tragischer nicht hätte sein können, hat man die Staaten der Europäischen Union endlich an dem richtigen Sanktionshaken. In diesen Tagen beschäftigt man sich mit einer Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Damit treibt man die EU-Europäer nur noch weiter ins Verhängnis. Spätestens seit dem Sanktionsregime gegen Jugoslawien und dem Iran wissen wir, dass es für Sanktionen zwei Ziele gibt: lästige Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen und sich einen vorgeblichen Rechtsweg zum Krieg zu schaffen.

Kein Rückweg aus Sanktionsregime

Niemand in Westeuropa sollte annehmen, dass es gelingen könnte, aus dem Sanktionsregime wieder aussteigen zu können. Es wird sich immer ein Staat der EU oder der NATO - östlich von uns - finden, der alles sabotiert, um seine Dinge in Washington mit Nachdruck durchsetzen zu können. Und Russland? Glaubt jemand, dass die USA etwas anderes in ihrem Sinn haben, als Russland endlich vor sich hertreiben zu können?

Seit dem Tag, als man die Welt dazu aufforderte, nichts aus Deutschland zu kaufen, haben Sanktionsregime eine Verfeinerung erfahren, sind wie Kriegsbilder geübt und ausgebaut worden und haben unglaubliche Erlöse in die richtigen Taschen gescheffelt. Doch damit nicht genug. Nachdem man sich schon beim Iran so richtig in den Kriegswahn gesteigert hatte, nimmt man sich jetzt den richtig großen Fisch vor. Russland soll die Erfahrung machen, was es heißt, der Forderung nach einer "bedingungslosen Kapitulation" ausgesetzt zu sein.

Russland, so die Planer in Washington, wird anbieten können, was es will. Moskau selbst sowie die Auslieferung Russlands und seiner Bodenschätze werden der Preis sein. Die ehemalige US-Außenministerin Albright hatte es schon vor Jahren gesagt. Russland darf wegen seiner Bodenschätze nicht den Russen zur alleinigen Verfügung stehen. Daran hat sich nichts geändert in den Jahren seither.

Muss Washington irgendwelche Folgen fürchten?

Der Fall Chodorkowski und die beabsichtigte Auslieferung wesentlicher Teile der russischen Erdöl- und Erdgasvorräte an die Wallstreet hat das deutlich gemacht. Es ist schon fast putzig, mit ansehen zu müssen, wie in internationalen Foren - und vor dem Deutschen Bundestag die deutsche Bundeskanzlerin - jeden unbewiesenen Vorwurf an die Adresse von Präsident Putin aufgreift, um sich daran zornig abarbeiten zu können.

Vermutlich deshalb, weil sie noch rechtzeitig vor der anstehenden Eskalation nicht als diejenige dastehen will, die den russischen Präsidenten nicht für das hält, was Hillary Clinton aus Präsident Putin machen wollte. Eines muss man allerdings den Führungszirkeln in den USA lassen. Seit dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien waten ihre Spitzen in Blut, folgenlos, der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag gilt für sie nicht.

Da stellt sich der derzeitige amerikanische Präsident Obama hin und versucht, Russland mit dem Satz in die Schranken zu weisen, nach dem "es einen hohen Preis" bezahlen müsse. Das nennt man Hochmut und der kommt bekanntlich vor dem Fall. Vermutlich hat man in Washington die Rechnung ohne diejenigen gemacht, die Russland stets gerettet haben: die einfachen Leute, von denen es in Russland stets sehr viele gibt.