Amerikas Finanzmärkte haben jeden Bezug zur Realität verloren

Amerikas Finanzmärkte haben jeden Bezug zur Realität verloren

Paul Craig Roberts

Wie wir bereits in früheren Berichten ausführten, agieren die Bullionbanken (primär JP Morgan, HSBC, ScotiaMocatta, Barclays, UBS und Deutsche Bank) wahrscheinlich als Handlanger der Federal Reserve, um den Goldpreis seit September 2011 systematisch im Preis zu senken. Der Druck auf den Goldpreis schützt den US-Dollar vor einer Implosion aufgrund eines stetigen Dollarmengenwachstums und der in US-Dollar denominierten Schulden.

Es ist möglich, den Goldpreis trotz einer wachsenden physischen Nachfrage zu drücken, weil die Preise nicht an den physischen Märkten, an denen Gold nach wie vor sehr stark gefragt ist, bestimmt wird. Anstelle dessen wird der Verlauf des Goldpreises an den durch Spekulationen getriebenen Futures-Märkten bestimmt. Nahezu alle Wetten, auf die an den Futures-Märkten gesetzt wird, werden praktisch auf Basis von Bargeldabrechnungen getätigt, und nicht auf Basis von physischem Gold.

Bargeldabrechnungen der diesen Geschäften zugrundeliegenden Kontrakte dienen dazu, um den physischen Märkten die Bestimmung des Goldpreises aus der Hand zu nehmen. Darüber hinaus ermöglichen es Bargeldabrechnungen, dass enorme Mengen an nicht gedeckten oder "nackten" Futures-Kontrakten - und somit Papiergoldkontrakte - ausgestellt und zum selben Zeitpunkt an den Futures-Märkten abgeworfen werden können.

Diese Geschäfte finden meistens dann statt, wenn der Handel aufgrund fortgeschrittener Uhrzeit nur noch äußerst

dünn ist. Indem das Angebot an Papiergoldkontrakten stetig erhöht wird, treiben diese enormen Verkäufe die Futures-Preise nach unten. Und es ist eben der Preis an den Futures- und Optionsmärkten, der den Preis bestimmt, zu dem physische Goldmengen gekauft werden können.

Die Tatsache, dass der Goldpreis an einem Papiergoldmarkt bestimmt wird, an dem es keine Grenzen in Bezug auf das Angebot von stetig neu zu kreierenden Papiergoldkontrakten gibt, hat das seltsame Resultat zu Folge, dass sich die physische Goldnachfrage auf einem Allzeithoch befindet und die weltweite Produktion übertrumpft, während der Goldpreis weiter sinkt!

Die Nachfrage in Asien - und ganz besonders in China - ist enorm hoch. Auch Silber- und Goldeaglemünzen verlassen die Tresore der amerikanischen Münzprägeanstalt U.S. Mint nicht nur in Rekordgeschwindigkeit, sondern auch in Rekordmengen. Gleichzeitig sehen sich Gold- und Silberminenaktien einem starken Abwärtsdruck ausgesetzt, während die Preise von Gold und Silber nach wie vor Tag um Tag sinken.

Die einzige Erklärung für derlei Ereignisse, die Sinn macht, ist, dass die Edelmetallpreise nicht an einem realen Markt bestimmt werden, sondern an einem von hinten bis vorne manipulierten Papiergoldmarkt, der keinerlei Beschränkungen in Bezug auf die Ausstellung von Papiergoldkontrakten unterliegt.

Chinesen, Russen und Inder sind dankbar, dass es korrupte amerikanische Behörden und Finanzaufsichten gibt, die es ihnen ermöglichen, immer größere Mengen Gold zu immer geringeren Preisen zu kaufen. Diese von hinten bis vorne manipulierten Märkte erweisen sich durchaus als sehr akzeptabel für Käufer von Edelmetallen, so wie es sich auch im Fall von US-Behörden verhält, die sich dem Schutz des US-Dollars gegen Auswirkungen aus einem beständig steigenden Goldpreis verschrieben haben.

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Nichtsdestotrotz ginge eine ehrliche Person davon aus, dass die Disparitäten zwischen einer extrem hohen physischen Nachfrage nach Gold, dessen limitiertem Angebot und seinem beständig sinkenden Preis das Interesse von Ökonomen, der Finanzmedien, der Behörden und Finanzaufsichtsbehörden sowie diversen Kongresskomitees hervorrufen würde.

Wo lässt sich etwas von den Sammelklagen der Minenunternehmen gegen die Federal Reserve, deren Bullionbankenhandlagern sowie all jenen, welche die Interessen der Minenfirmen durch anhaltende Goldleerverkäufe auf Basis ungedeckter Kontrakte unterlaufen, hören oder lesen?

Von vorne bis hinten manipulierte Märkte - insbesondere auf Basis von Insiderinformationen - sind nicht nur illegal, sondern vor allem auch überaus unethisch. Die anhaltenden Leerverkäufe im Goldsektor unterminieren die Interessen der Minenindustrie aufs Schärfste.

Jetzt, da der Goldpreis unter die Schwelle von $1.200 pro Feinunze getrieben wurde, wird es für eine stetig wachsende Anzahl von Minenunternehmen immer schwieriger, effizient und wirtschaftlich zu produzieren. Folge ist, dass sie ihre Abbauaktivitäten einstellen. Weitere Folge ist, dass immer mehr Minenkumpel arbeitslos werden. Darüber hinaus leiden die Aktionäre von Minenfirmen unter hohen Verlusten.

Wie kann es sein, dass einem derart offensichtlich von vorne bis hinten manipulierten Preis durch offizielle Stellen

weiter statt gegeben wird? Antwort ist, dass das politische und wirtschaftliche System in den Vereinigten Staaten von Korruption und Kriminalität zerfressen ist.

Die geldpolitische Strategie der Federal Reserve, die darauf abzielt, die Bond- und Goldmärkte zu manipulieren, während den Aktienmärkten Liquidität in Hülle und Fülle zu Spekulationszwecken zur Verfügung gestellt wird, hat nicht nur der US-Wirtschaft, sondern auch mehreren Zehn Millionen von amerikanischen Bürgern stark geschadet, um vier Megabanken vor den Ergebnissen ihrer Fehler und begangenen Verbrechen zu bewahren.

Der sich aus dieser staatlich-öffentlichen Strategie ableitende Missbrauch durch private Interessen ist bislang ungesehen in der Geschichte unseres Landes. Diejenigen, die für diese Machenschaften verantwortlich sind, sollten verhaftet und umgehend vor Gericht gestellt werden. Gleichzeitig müssten sie auf eine finanzielle Kompensation in Bezug auf ihren angerichteten Schaden verklagt werden.

Amerikanische Behörden bedienen sich unter anderem des Plunge Protection Teams, des Börsenstabilisierungsfonds, Währungsswaps, der geldpolitischen Strategie der Federal Reserve sowie Käufen von S&P-Futures, um einen künstlich erzeugten Umtauschwert im Hinblick auf den US-Dollar aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig wird enorm viel Liquidität zur Verfügung gestellt, die dazu benötigt wird, um Aktien- und Anleihekursen beständig unter die Arme zu greifen.

Mit Blick auf die Bondpreise lässt sich sagen, dass diese derart künstlich aufgeblasen sind, dass Sparern und Vermögensinhabern nun bereits Negativzinsen auf deren Ersparnisse beschert werden. Die verantwortlichen Behörden haben ein Finanzsystem geschaffen, dass mit der zugrundeliegenden Realität in der Wirtschaft überhaupt nichts mehr zu tun hat. Wenn die Behörden dieses Kartenhaus nicht mehr vor einem Zerfall bewahren können, wird der einsetzende Kollaps brutal sein.

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Die heutige Situation zeugt ebenfalls von der Komplizenschaft der Ökonomenzunft, der Inkompetenz der Finanzmedien sowie einer völlig aus dem Ruder laufenden Korruption unter staatlichen Behörden und privaten Institutionen, die diese Kartenhaus konstruiert haben. Die Vorsitzenden von einer Handvoll Megabanken, welche die heutigen Probleme mit verursacht haben, sind auch die Personen, die das US-Finanzministerium, die New York Fed und andere amerikanische Finanzaufsichtsbehörden leiten.

Sie nutzen ihre Kontrolle über die staatliche Politik, um sich selbst und ihre Institutionen vor ihrem eigenen rücksichtslosen Verhalten zu schützen. Der Preis für diesen Schutz wird der US-Wirtschaft und amerikanischen Ottonormalbürgern aufgebürdet - und dieser Preis steigt beständig.

Der jüngst zu beobachtende und orchestrierte Absturz des Goldpreises steht in Verbindung mit zwei Ereignissen (sehen Sie sich bitte die beiden nachfolgenden Grafiken an). Eines dieser Ereignisse steht in Zusammenhang mit der Entscheidung der Federal Reserve, die momentane Preisrallye des US-Dollars durch die Verkündung eines Endes ihrer Maßnahmen zur finanziellen Lockerung (QE) zu unterstützen.

Die Ankündigung der Fed zu einem Ende der elektronischen Dollarerzeugung mit dem Ziel einer Unterstützung der Bondkurse minimierte die wachsende Furcht in der Welt im Hinblick auf den bis dahin anhaltenden Wertverfall des US-Dollars. Zu selben Zeitpunkt wächst die Versorgung mit neuen US-Dollars in einer schnelleren Geschwindigkeit als die heimische Industrieproduktion und die Aktivitäten im Dienstleistungssektor.

Die Fed befeuerte die Rallye des US-Dollars, die durch die Ankündigung einer Beendigung der eigenen QE-Aktivitäten

initiiert wurde, indem sie ihren Bullionbankenhandlagern grünes Licht gab, um den Goldpreis über nackte Leerverkäufe weiter zu reduzieren.

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Nackte Leerverkäufe kamen ebenfalls zum Einsatz, um die Auswirkungen auf den Goldpreis durch die durch die Bank of Japan am 31. Oktober bekannt gegebene Expansion des eigenen Bondankaufprogramms zu kompensieren. Augenscheinlich wurde die BoJ entweder durch Washington unter Druck gesetzt, um die japanische Währung weiter zu inflationieren, und um den Außenwert des US-Dollars auf diese Weise zu unterstützen.

Oder dieser überraschenden Ankündigung der BoJ liegt eine Geldpolitik zugrunde, die auf der durch Keynes definierten Phillips-Kurve basiert, und der die Annahme zugrunde liegt, dass 2% bis 3% Inflation das ökonomische Wachstum stimulieren. Japan befindet sich nun bereits seit sehr langer Zeit in ernsthaften ökonomischen Schwierigkeiten und sieht sich nun auf eine vor der Ära Reagan vorherrschende Verschreibung von wirkungslosen Heilmitteln reduziert, in dem verzweifelten Versuch, die eigene Wirtschaft wieder zu beleben.

Japans Ankündigung zu einer sich verewigenden Erzeugung von elektronischem Kapital hätte gewiss zu einem Anstieg des Goldpreises führen sollen. Um einen solchen Preisanstieg zu verhindern, wurde der elektronische Futures-Markt Globex um exakt 3:00 Uhr morgens (US-Ostküstenzeit) - in einer der am wenigsten aktiven Handelszeiten am Gold-Futures-Markt - durch einen Abverkauf von umgerechnet 25 Tonnen Gold in Form von ungedeckten Comex Papiergoldkontrakt-Leerverkäufen erschüttert.

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Dadurch sank der Goldpreis um $20 pro Feinunze. Kein mir bekannter Verkäufer würde sein eigenes Kapital zerstören, indem er eine derartige Position auf diese Weise abstieße. Der Goldpreis stabilisierte sich daraufhin wieder und konnte zulegen, doch um 8:00 Uhr morgens (US-Ostküstenzeit) - und somit 20 Minuten vor Eröffnung am New Yorker Futures-Markt Comex - wurden abermals umgerechnet 38 Tonnen Gold in Form von ungedeckten Papiergoldfutures verkauft.

Einzig ersichtlicher Grund für Verkäufe nach diesem Muster ist, Versuche zu unternehmen, um den Goldpreis nach unten zu treiben. Es sei wiederholt, dass kein seriöser Investor eine derartige Menge seiner gehaltenen Positionen auf diese Weise abladen würde. Denn in diesem Zuge würde dieser auch einen Teil seines Vermögens zerstören.

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Angeblich sind die Vereinigten Staaten Heimat der Wirtschaftswissenschaften und stellen eine Vielzahl von Nobelpreisgewinnern in dieser Disziplin. Trotz dieser herausragenden Qualifikationen nehmen amerikanische Ökonomen kaum oder keine Notiz im Hinblick auf die Entwicklung von in den USA gehandelten Vermögenswerten wie Gold, Silber, Aktien und Bonds, die überhaupt keinen Bezug zur ökonomischen Realität mehr aufweisen.

Das Auseinanderklaffen zwischen Finanzmärkten und ökonomischer Realität stört weder die staatlichen Regierungsverantwortlichen noch Ökonomen, welche die Interessen der Regierung und deren assoziierte Interessengruppen unterstützen. Resultat ist eine Wirtschaft, die nichts mehr anderes als ein einsturzgefährdetes Kartenhaus ist.

Wer sich für dieses Thema interessiert, sollte auch den nachfolgend verlinkten Bericht lesen.