Was die Weißen den Indianern und was die Indianer den Weißen verdanken

Was die Weißen den Indianern und was die Indianer den Weißen verdanken

Moralisch waren "die Wilden" den Weißen, alles in allem, weit überlegen. Sie kamen den Fremden zunächst auch freundlich, vertrauensvoll, hilfsbereit entgegen. Sie haben sich nie gegen ihre Ankunft gewehrt. Sie waren offen, teilnehmend, neugierig. "Sie beklagten sich in keinem Augenblick über deren Anwesenheit", erklärt Claude Levi-Strauss, der große Ethnologe, "sondern nur darüber, dass man sie ausgeschlossen hatte." Gleichwohl waren es Indianer, die den Weißen häufig, anfangs fast regelmäßig, beigestanden, die sie in ihren ersten verzweifelten Bemühungen, Fuß zu fassen, "fast durchweg großherzig unterstützt" haben (George E. Ellis): durch Rettung ihrer Boote in Seenot, Rettung ihrer Expeditionen, vor allem aber durch Übergabe von Lebensmitteln.

Nur die Hilfsbereitschaft der Indianer ließ die Invasoren überleben.

Urs Bitterli, Kolonialhistoriker in Zürich, betont, "in der Tat haben die Lebensmittellieferungen der Indianer nicht nur die Franzosen am St. Lorenzostrom, sondern auch die Engländer in Virginia vor dem Hungertod gerettet. Oft wird in frühen Texten die Friedfertigkeit der Eingeborenen gelobt, und man gestand sich ein, dass das Überleben der Kolonie nicht so sehr eigener Zähigkeit, als vielmehr fremder Hilfe zuzuschreiben war." Die unredlichen Christen freilich schrieben diese Hilfe bald nicht mehr den Indianern zu oder, so ein puritanisches Zeugnis aus Virginia, "den wilden grausamen Heiden". Nein: "Gott" hatte seinem auserwählten Volk diese Teufel geschickt "mit Lebensmitteln wie Brot, Getreide, Fisch und Fleisch in großer Menge ..." Schließlich konnte man nicht jenen die Hilfe oder gar das Leben verdanken, die man nachher umbrachte - mit Gottes Hilfe wieder.

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Die Weißen verdanken den Indianern den Mais, die Mokassins, die Schneeschuhe und die Anoraks.

Die Indianer verdanken den Weißen den Branntwein und die Feuerwaffen, die großen Seuchen, die Blattern, die Tuberkulose, die Syphilis. Dies sind sogar die ersten Geschenke des christlichen Abendlandes an sie. Auf Schritt und Tritt begleiten sie die Eroberer. Mit den Jesuiten kommt buchstäblich die Pest und bringt beinah das ganze Volk der Huronen unter die Erde. Auch die Franzosen, die in Maine siedeln, wirken verheerend, indem sie mit den Bewohnern kontaktieren. Als dort 1620 Engländer landen, finden sie die Wigwams der Massachusetts "voll von Leichen" und die Dörfer gänzlich ausgestorben - wodurch, schwärmt Bruder Johnson, "Christus", der in der ganzen Welt glorreich für seine Kirche sorge, "Platz für sein Volk schuf ..." "Gott", notiert ein anderer britischer Christ, Ferdinando Gorges, sich dabei ausdrücklich von der abstoßenden Methode der Spanier distanzierend, "Gott verbreitete die Seuche, was die Engländer der Sorge enthob, die Indianer durch Schwert und Feuer zu vernichten".

  • Ein gesegnetes Christentum!
Die Indianer übernahmen von den Weißen die Unehrlichkeit, die Lügerei. Ihr Denken, ihr Sittengesetz, ihre Kultur wurden untergraben, sie entarteten und verkamen gänzlich. "Was in ihnen gut war, wurde erstickt", schreibt Bitterli.