Keine Kriege mehr, bloß große Polizeiaktionen

Keine Kriege mehr, bloß große Polizeiaktionen

Schon für John Adams (1797-1801), ihren zweiten Führer, sind die USA "ein herrlicher Plan der Vorsehung", ganz offenkundig bestimmt, den Teil der Menschheit, den Sklaverei noch knebelt, aufzuklären, frei zu machen. Nicht durch Krieg, oh nein, den führt ein Adams nicht. Rein defensiv bloß geht er gegen die bösen Franzosen vor und verliert so in einem Jahr mehr als 300 Kriegsschiffe.

Unter Thomas Jefferson, dem Nachfolger (1801-1809), der an den ewigen Frieden glaubt, der den Krieg überhaupt beseitigen will, wird am 16. März 1802 denn auch eines der ehrwürdigsten Kulturinstitute der Menschheit errrichtet: die Militärakademie von West Point. Und jahrelang wird der Pascha von Tripolis bekämpft, der seinen Tribut erhöht, sodass auch Jefferson, leider, leider Kriegsschiffe ins Mittelmeer schicken muss. Ist doch, so Jefferson, Gründer gleichsam der Demokratischen Partei und einer der gefeiertsten, folgenreichsten Redner seiner Zeit, die "Bewahrung des heiligen Feuers" den Vereinigten Staaten anvertraut; "und Funken", schreibt Jefferson, "die von ihm sprühen, werden immer dazu dienen, es in anderen Bereichen des Erdkreises zu entfachen." Vier Jahre Tripolis-Krieg also. Doch führt ihn der Präsident nur wegen des Friedens, der schönen "Funken". Gibt er Feuerbefehl nur wegen des "heiligen Feuers". Zwar verachtet er mitunter die Alte Welt ein bisschen. Aber bloß weil die Neue so viel besser ist, weil Europa beispielsweise "keinen Herrscher" hat, "dessen Talente oder Verdienste ausreichen würden, ihm auch nur den Anspruch auf eine Stellung in einem amerikanischen Kirchspiel zu verschaffen." So ist das.

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Jefferson, mit George Washington, mit Abraham Lincoln einer der wichtigsten Begründer der modernen US- Gesellschaft und Gedankenwelt,

wünschte, "ein Ozean voll Feuer würde zwischen uns und der alten Welt liegen." Doch konnte er auch wieder generöser sein und dann dem "alten Europa" gestatten, sich auf die starken Schultern Amerikas zu stützen, "um so gut es kann, gefesselt an Pfaffen und Könige, neben uns herzuhumpeln." Ein Samariter. Ein Edelmensch. Ein Halt wollte er dem alten, elenden, unter Pfaffen und Königen krankenden Kontinent sein, ein Helfer auf dem Weg in bessere Zeiten. Und so empfahl er in A Summery View of the Rigths of British America Seiner Majestät König Georg III. von England Liberalität und Fortschritt - er, Jefferson, der dritte Präsident der USA und Besitzer von 200 schwarzen Sklaven, die er Abend für Abend zählen ließ; er, Jefferson, der sich regelmäßig mit einer seiner Sklavinnen, der attraktiven Sally Hemings, ergötzte. So zerschlug er die Rassenschranken und rief, während man allüberall in seinem Staat die Sklaven noch in Eisen legte: "Amerika wird für die Welt ein Signal sein, das die Menschen aufruft, die Ketten zu brechen ..."

Der Jeffersonismus setzte sich in ihren Edelköpfen fest. Amerika war friedlich. Es führte keine Kriege. Es stellte allenfalls, wenn es denn sein musste - und oft musste es sein, je größer es wurde, desto mehr -, die Ordnung wieder her. Nicht durch Kriege, durch Kreuzzüge, Katastrophen, oh nein. Durch große Polizeiaktionen sozusagen. Als Freund und Helfer aller. Als Ordnungsmacht. Immer gab es gute, beste Gründe zum Eingreifen, Schlichten, zum Friedenstiften gleichsam. Und natürlich greift man bloß ein, wenn alle humanen Mittel am bösen Feind versagen. Derart beginnt man 1812, nur kurz nach dem Tripolis-Krieg, den Krieg gegen England für die "Freiheit der Meere". 1845 kämpft man gegen Mexiko für "die Zivilisation".

1861 führt man den Bürgerkrieg für "die Einheit", 1898 den Krieg gegen Spanien für "die Demokratie". 1917 und 1941 streitet man gegen Deutschland und für den "Weltfrieden" schlechthin.