Händel Bach und die Kentuckybüchse

Händel Bach und die Kentuckybüchse

Die Fundamental Constitutions of Carolina garantieren am 11. März 1669 zwar die Religionsfreiheit, doch am 1. März 1670 wird die Church of England eingeführt.

Die kosmopolitisch gesinnten Niederländer, zu denen sich alles mögliche rettet - die viel genannte Anne Hutchinson, eine Gotterweckte, Jesuiten, ganze Dorfbevölkerungen aus Massachusetts -, sind doch nicht vom christlichen Antisemitismus frei. Als 1654 die ersten 23 Juden (Sepharden) aus Curaçao nach Neu-Amsterdam kommen, verbietet man ihnen noch jahrzehntelang öffentliche Gottesdienste.

Die königliche Charta für Maryland von 1632, die Lord Baltimore, einen Katholiken, als Eigentümer nennt,

erlaubt zwar auch die Errichtung nichtprotestantischer Kirchen. Und bis heute rühmt man deshalb Maryland als erster britischer Kolonie Nordamerikas religiöse Toleranz nach. Doch bereits Artikel 1 seines "Act of Toleration" gestand niemandem den Schutz des Landes zu, hing er der unter dem Namen Römischer Katholizismus bekannten papistischen Religion an. Und im Frühjahr 1655 kreuzten auch schon zwei kleine Heere der Christen die Klingen. Die einen schrien "Heilige Maria", die anderen respondierten "Gott ist unsere Kraft" und drängten die Papisten, die bereits 15 Mann eingebüßt, in den Fluss. Doch sicherte man ihnen jetzt das Leben zu und begann dann gleich sie aufzuhängen. Vier baumelten schon, als man den Rest in christlicher Barmherzigkeit begnadigt hat.

Ein gewisser Lichtblick war William Penn (1644-1718), Sohn eines reichen englischen Admirals. Der prominente Philantrop, der früh zum Separatismus neigte, bekam durch Vermittlung König Jakobs II. für seine Schuldforderung von 16000 Pfund Sterling an die britische Krone ein großes Landgebiet am Delaware. Hier gründete er 1682 seine indianerfreundliche Kolonie Sylvania, 1683 Philadelphia und schuf eine Verfassung, die auf religiöser Toleranz beruhte. Sein Ideal war ein Staat, der Glaubensfreiheit respektierte, ein Staat ohne Armut und Klassenunterschiede.

Penn war Quäker. Die Sekte, 1652 durch den (neunmal eingelochten, doch unbescholtenen) englischen Wanderprediger George Fox (1624-1691) aus Ekel vor dem ringsum grassierenden Christentum gegründet, verwarf die Kindertaufe, das Abendmahl, die kirchlichen Ämter, den Eid, den Kriegsdienst, auch jede Gewaltanwendung, den Zehnten, überhaupt sämtliche Abgaben an die Geistlichkeit sowie alle weltlichen Vergnügen, Musik etwa, Theater.

  • "Wie oft spielten Jesus und seine Jünger Theater?", fragte William Penn.

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Die Quäker waren liberal, duldsam. Sie meinten es offensichtlich gut mit Dissidenten, auch mit den Indianern,

die sie vor Betrug zu schützen suchten. Penn selbst erstand 1682 vertraglich von ihnen Land, nach seiner Meinung zu einem gerechten Preis. Dass aber auch Quäker Penn gut kalkulieren konnte, ist klar.Schließlich verkaufte er das gegen eine Forderung von 16 000 Pfund Sterling vom englischen Staat erlangte Pennsylvania 1712 eben wieder an diesen, kassierte dafür aber nun 280 000 Pfund Sterling.

  • Etwas Profit durch Zuwachs, warum nicht?

Immerhin achtete Penn als einer der Ersten von wenigen das indianische Besitzrecht. Und die Quäker, die (wenigstens zunächst noch) friedlich auftraten, genossen das Wohlwollen auch und gerade der Irokesen. Von den Christen freilich wurden sie in Amerika noch heftiger verfolgt als vordem, denn Kirchenfeinde, Staatsverdrossene, Philantropen waren nirgends gefragt, schon gar nicht in der Neuen Welt. Und so gab auch Penns Enkel, Gouverneur John Penn, 1764 das Signal zur wahllosen Tötung der Rothäute, zum Rassenkampf, und setzte auf jeden roten Skalp, gleich ob von Männern oder Frauen, eine hohe Belohnung aus.

Nicht wenige Deutsche wanderten später nach Pennsylvania ein, darunter viele Herrnhuter, auch "Böhmische Brüder" genannt, Mennoniten, wie der Franke Franz Pastorius aus Sommerhausen, der 1683 Germantown gründet und 1688 den ersten Protest gegen die Sklaverei publiziert. Diese Deutsch-Pennsylvanier schufen auch ein neues Herrnhut, ein Gnadenhut folgte, ein Bethlehem, ein Nazareth am Susquehanna. Die Deutsch-Pennsylvanier kultivierten die Innerlichkeit, pietistische Züge, pflegten die Musik von Schütz, Händel, Bach - und entwickelten die Kentucky-Büchse, mit der man schneller, weiter und genauer schoss, ein trefflicher Schutz "gegen Verbrecher und Indianer", schreibt Victor W. von Hagen.

"Eine Kentucky- Büchse, eine Axt und ein oder zwei Pferde genügten damals, um in der Wildnis des jungen Kontinents ein neues Leben zu beginnen" - neben Jesus Christus, Händel und Bach.